Rhein-Neckar-Zeitung Artikel vom 20.09.2013

http://www.rnz.de/nachrichten/mosbach_artikel,-Serie-24-Stunden-Teil-15-Gebissen-wird-er-eigentlich-nie-_arid,26675.html

16 bis 17 Uhr - Tierarzt Dr. Thorsten Waberschek hat es vor allem mit Hunden und Katzen zu tun.

Von Sebastian Schuch

Hüffenhardt. Es ist ruhig in der Tierarztpraxis von Dr. Thorsten Waberschek in Hüffenhardt. Wo man zwitschernde Vögel oder bellende Hunde erwartet, ist es mucksmäuschenstill. Die RNZ begleitet den Tierarzt - Dr. Waberschek behandelt mittlerweile seit zehn Jahren kranke Tiere - im Rahmen der Serie "24 Stunden im Neckar-Odenwald-Kreis".

Arztkittel und weiße Hose sucht man hier vergebens. Alle in der Praxis tragen ein blaues Polo-Shirt mit Jeans. "So wollen wir vermitteln, dass es ein Miteinander ist und wir nicht von oben herab schauen", erklärt mir der Mediziner. Das scheint anzukommen: das Wartezimmer der Praxis ist gut gefüllt. Der erste Patient ist ein Hund. Er ist jetzt, im Behandlungsraum, deutlich aktiver als noch im Wartezimmer. Die Aufregung ist förmlich zu spüren. Auch scheint er sich nicht ganz wohl zu fühlen. Es ist also wie bei den Menschen. Beim Doktor ist wohl niemand gerne. Der Vergleich "wie Kinder beim Zahnarzt" scheint recht passend. Dr. Waberschek lässt sich von alledem nicht aus der Ruhe bringen. Behutsam untersucht er den Hund und spricht viel mit der Besitzerin. Zum Abschluss bekommt der Vierbeiner noch eine Spritze und schon ist die Behandlung vorbei.

Impfungen und Untersuchungen auf Krankheiten machen den Großteil seiner Arbeit aus. In den Sprechzeiten sind es nur solche kleineren Behandlungen. Operationen werden in der Regel vor der Öffnung der Praxis getätigt. Verletzungen gibt es laut dem Tierarzt mal mehr, mal weniger. Dies sei auch saisonal bedingt. In den Sommermonaten kämen mehr angefahrene Tiere zur Behandlung als in den Wintermonaten.

Als zweiten tierischen Patienten hat Dr. Waberschek einen Kater auf dem Behandlungstisch. Auch dieser wird von dem Tierarzt sorgfältig untersucht. Es fällt auf, dass der Unterschied zu einem Humanmediziner nur sehr gering ist. Der Tierarzt nutzt ebenfalls ein Stethoskop zur Überprüfung der Herzfunktionen, und ein Otoskop, mit welchem der Gehörgang kontrolliert wird. Der Kater wird nach der Untersuchung geimpft und kann danach die Praxis wieder verlassen

Angesprochen auf die Stille in der Praxis erklärt Dr. Waberschek, dass es vor allem auf die Besitzer ankomme. Hätten diese eine ruhige Art, seien auch ihre Tiere ruhig. Ausnahmen gebe es aber auch. Gerade bei Kleintieren, wie beispielsweise Meerschweinchen, seien die Besitzer etwas überfürsorglich. Die Meisten kämen allerdings nur, wenn es auch tatsächlich nötig ist. "Viele warten lieber ein, zwei Tage, ob es sich bessert, oder ob ihre Haustiere doch eine Behandlung brauchen. Ein weiterer Kater wird in den Behandlungsraum gebracht. Er ist zur Überprüfung einer Verletzung an der Pfote in der Praxis. Nachdem der Verband gewechselt wurde, können die Tierhalter ihren kleinen Liebling beruhigt mit nach Hause nehmen.

Es verwundert ein bisschen, dass an diesem Nachmittag bisher ausschließlich Hunde und Katzen in der Praxis sind. "Ganz normal", sagt Thorsten Waberschek, er habe vor allem Hunde, Katzen oder Kleintiere als Patienten. "Exoten" wie Schlangen oder Leguane kämen nur selten. Dies bestätigt sich durch die anschließende Untersuchung eines Hundes. Bei diesem besteht der Verdacht auf Zwingerhusten. Der ist mit dem Keuchhusten bei Menschen vergleichbar. Zur genauen Diagnose nimmt der Tierarzt einen Abstrich aus Nase und Rachen. Während Dr. Waberschek mit der Besitzerin die verschiedenen Tests durchspricht, fällt ein Bildschirm im gut ausgeleuchteten Wartezimmer ins Auge. Auf diesem stehen nützliche Hinweise für Themen wie Impfen und Kastration der Haustiere. "So oft wie nötig, so selten wie möglich" lautet der Slogan für das Impfen.

Zum Abschluss des Besuches in der Praxis kommt eine Züchterin mit insgesamt sechs Tieren in den Behandlungsraum. Neben einem Hund und zwei Katzen hat diese noch drei Kitten, so werden Katzen in den ersten paar Wochen nach der Geburt genannt, dabei. Alle Haustiere werden wieder geimpft, die Mutter der Kitten wird zusätzlich entwurmt. Außerdem werden die jungen Katzen auf ihr Wachstum hin überprüft.

Die Züchterin spricht Dr. Waberschek auf dessen Verletzungen an der rechten Hand und dem linken Oberarm an. An diesen Stellen wurde er vor Kurzem gebissen. "Das erste Mal in zehn Jahren und dann gleich zwei Mal innerhalb weniger Wochen". Doch er nimmt es mit einem Lächeln auf den Lippen. Das Risiko bestehe zwar immer, doch gebissen werde man so gut wie nie.